Gemeinsame Publikation von Umweltverbänden und Biomasse-Verband

28.07.2020

„Knapp die Hälfte der österreichischen Gesamtfläche ist Wald. Unsere Wälder erbringen vielfältige gesellschaftliche, ökologische, aber vor allem auch wirtschaftliche Leistungen. Der Wald hat in den letzten zehn Jahren durchschnittlich um 3.400 Hektar pro Jahr zugenommen, das entspricht 4.762 Fußballfeldern. Wir haben also genug erneuerbare Ressourcen, die wir durch die nachhaltige Waldbewirtschaftung und unter Bewahrung der Biodiversität nützen müssen. Nachhaltige Waldbewirtschaftung, Biomassenutzung und Naturschutz schließen sich nicht aus, sondern können sich sinnvoll ergänzen – das hat das Projekt BIOKONAT erfolgreich gezeigt.“

Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

(Wien, 28.07.2020) – Dass Naturschutz und Energiewende keinen Widerspruch darstellen müssen, beweist der neue Folder „Energiewende & Biomassenutzung“, den der Österreichische Biomasse-Verband (ÖBMV) veröffentlicht hat. Die Publikation, die im Rahmen des Projektes BIOKONAT gemeinsam mit dem Umweltdachverband, Umwelt Management Austria (UMA) und dem Forum Wissenschaft & Umwelt (FWU) erarbeitet wurde, zeigt gemeinsame Lösungsansätze für eine naturverträgliche Nutzung des heimischen forstlichen Biomassepotenzials. „Das Projekt hat die Kompetenzen des Umweltdachverbandes und seiner Mitgliedsorganisationen gebündelt, um gemeinsame Wege und Ziele für eine naturverträgliche forstliche Biomasseproduktion zu erarbeiten“, betont Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes.

Der Wald im Mittelpunkt

Unter den erneuerbaren Energieträgern kommt der forstlichen Biomasse in Österreich aufgrund des mengenmäßigen Einsatzes sowie des vorhandenen Ausbaupotenzials herausragende Bedeutung zu. „Bioenergie ist mit einem Anteil von 45 Prozent der wichtigste heimische Energieträger und hat auch in den letzten zehn Jahren den höchsten Zuwachs erzielt. Bioenergie wird in Österreich zu etwa 80 Prozent aus Holz gewonnen“, erklärt Präsident Franz Titschenbacher, ÖBMV. „Im Mittelpunkt des Projektes stand der heimische Wald als Ressource für die stoffliche und energetische Nutzung samt seiner Funktionen für den Klima- und Naturschutz.“ 

Energiewende als Gebot der Stunde

Der Holzvorrat im heimischen Wald ist seit den 1960er-Jahren um die Hälfte auf beinahe 1,2 Milliarden Festmeter gestiegen. Im Sinne der österreichischen Bioökonomiestrategie soll die Holznutzung forciert werden, um fossile Brennstoffe und energieintensive Materialien, wie Stahl, Beton oder Plastik, durch Holz zu ersetzen. Die intensivere Nutzung der forstlichen Biomasse löst bei VertreterInnen des Naturschutzes allerdings Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen vor allem auf die Biodiversität aus. „Der alleinige Ausbau erneuerbarer Energieträger kann den Energiebedarf in Österreich nicht decken. Die Energiewende erfordert eine massive Senkung des Bruttoinlandsverbrauchs an Energie“, fordert Professor Reinhold Christian, Vorsitzender von UMA und Präsident des FWU. Die Umsetzung der Energiewende unter Berücksichtigung der Naturverträglichkeit birgt etliche Spannungsfelder, die im Rahmen des Projekts ausgearbeitet wurden.

Der Wald soll vielfältiger werden

Die Zwischenauswertung der Österreichischen Waldinventur 2016/18 zeigt einen Trend zu laubholzreicheren Mischbeständen und einer naturnäheren Waldbewirtschaftung. Während die mit Nadelwald bestockte Fläche in den letzten 30 Jahren um etwa 290.000 Hektar abgenommen hat, ist die Laubwaldfläche um 130.000 Hektar gestiegen. Der Biodiversitätsindex für den Wald verzeichnet für Baumartenvielfalt, Totholz und Veteranenbäume insgesamt einen positiven Verlauf. Trotzdem gibt es, vor allem auch klimawandelbedingt, zahlreiche gefährdete Biotoptypen und Arten im Wald. Von den 93 Waldbiotoptypen Österreichs sind 53 einer Gefährdungskategorie zugeordnet. „Aufgrund des fortschreitenden Verlustes der Artenvielfalt müssen bei der Waldbewirtschaftung weitere Maßnahmen gesetzt werden, um die Biodiverstiät zu erhalten beziehungsweise zu erhöhen“, bekräftigt Christian.

Klimawandel und künftige Waldbewirtschaftung

„Mit den klimatischen Veränderungen in Österreich steht die Waldbewirtschaftung vor enormen Herausforderungen. „Unsere WaldbesitzerInnen kämpfen nicht nur gegen die Auswirkungen des Klimawandels, wie extreme Trockenheit, Borkenkäferbefall oder Sturmwurf, sondern auch mit einem oft nicht mehr kostendeckenden Holzpreis“, beklagt Titschenbacher. „Aufgrund des enormen Schadholzanfalls und des Waldumbaus von Nadel- auf Laubholz fallen immer größere Holzmengen an, die sich oft nur für eine energetische Verwertung eignen.“ Um die Wälder klimafit zu machen, sollten WaldbesitzerInnen sich verstärkt an den künftigen klimastabilen, natürlichen Waldgesellschaften orientieren. „Sowohl bei der Baumartenwahl als auch bei Genetik, Strukturen und Lebensräumen liegt der Schlüssel in einer Erhöhung der Vielfalt“, unterstreicht Titschenbacher. „Angepasstes Schalenwildmanagement ist zwingend nötig, um die Naturverjüngung von Mischbaumarten sicherzustellen.“

Pilotprojekt der Bundesforste für forstliche Biodiversitätsmaßnahmen

Um dem steigenden Holzbedarf und gleichzeitig dem Naturschutz gerecht zu werden, ist eine multifunktionale Waldwirtschaft notwendig, die das Biodiversitätsmanagement ständig im Blick behält und konkrete Naturschutzmaßnahmen in das laufende Tun integriert“, bekräftigt Maier. Erfahrungswerte können beim LE-Projekt „Biodiversität und multifunktionale Bewirtschaftung im Wald“ der Österreichischen Bundesforste gewonnen werden. Ziel ist es, WaldbewirtschafterInnen praxistaugliche Handlungsempfehlungen zur Förderung von Arten und Lebensräumen zu geben. Ein vorbildliches Zusammenspiel von Waldbewirtschaftung und Naturschutz zeigen die im Folder enthaltenen Best-Practice-Beispiele. Der Forstbetrieb Stift Altenburg im Waldviertel weist trotz extremer Trockenheit eine üppige Naturverjüngung aus Eiche, Tanne, Buche und Bergahorn auf. Dabei macht er sich die Brombeere als Schattenspender, den Eichelhäher als Pflanzhelfer und Biodiversitätsflächen als Wildäsung zunutze. Das unweit gelegene Holzkraftwerk Rastenfeld produziert aus Schadholz aus 20 Kilometer Umkreis rund um die Uhr Strom und Wärme. 

Das Projekt BIOKONAT

Der Folder „Energiewende & Biomassenutzung“ ist im Rahmen des LE 14-20 Projektes „BIOKONAT – Biomasse im Kontext einer naturverträglichen Energiewende: Rolle, Chancen und Optionen“ entstanden. Das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus und der Europäischen Union geförderte Projekt wurde vom Umweltdachverband geleitet und zusammen mit seinen Kooperationspartnern Umwelt Management Austria (UMA), Österreichischer Biomasse-Verband (ÖBMV) und Forum Wissenschaft & Umwelt (FWU) durchgeführt.

Der Folder „Energiewende & Biomassenutzung“ ist ein Ratgeber für alle, die sich mit Forstwirtschaft, Naturschutz und Biomassenutzung befassen. Als Zielgruppen sind vor allem Vertreter aus Forst- und Landwirtschaft, Biomassebranche, Naturschutz, Umweltverbänden, Wissenschaft, Politik und Verwaltung, Bildungseinrichtungen sowie Medien angesprochen.

Die übersichtliche Publikation im Format DIN A4 hat acht Seiten und enthält zahlreiche Farbbilder. Eine digitale Version können Sie unter folgendem Link herunterladen:

Bestellt werden kann der Folder kostenlos: office@biomasseverband.at

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Biomasse-Verband 
Antonio Fuljetic-Kristan 
+43 (0)1 533 07 97 – 31, 0660 855 6804 
fuljetic@biomasseverband.at

Download Pressemitteilung - Naturschutz und Biomassenutzung ergänzen sich
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